Sprechen Sie Denglisch?

Lesen Sie den Satz und markieren Sie englische Wörter. Versuchen Sie die Aussage ins Deutsche zu übersetzen. Brauchen Sie ein Wörterbuch?

„... jeder muss im Job permanently seine intangible assets mit high risk neu relaunchen und seine skills so posten, dass die benefits alle ratings sprengen, damit der cash-flow stimmt. Wichtig ist corporate- identity, die mit perfect customizing und eye catchern jedes Jahr upgedatet wird!"

(Hilmar Kopper, vormaliger Vorstandsprecher der Deutschen Bankin einem Interview)

Suchen Sie nach deutschen Äquivalenten für die Anglizismen im Kasten und für Ihre Beispiele.

1) der Computer, die Daily Soap, das Outfit, handmade, chatten, die Late-Night-Show, mobben, biken, das Ranking, der/das Event, der Trend, zappen, das/der Cartoon, ...

2) die Rangfolge, der Rechner, die Ausstattung, radeln, die Karikatur, die Seifenoper, sich den Kollegen gegenüber bösartig verhalten, im Internet plaudern, handgemacht, die Entwicklungsrichtung, von Sender zu Sender schalten, die Veranstaltung, die Unterhaltungssendung am späten Abend,...

Übersetzen Sie ins Deutsche. Gebrauchen Sie im Notfall ein Wörterbuch.

1.  Der moderne Deutsche joggt, jumpt, jettet und biket. Er hat fun undfeelings, moods und emotions. Er schickt die kids zu open-air-events, ist gern cool und gar nicht gern ein Loser. Er arbeitet im Team, und nach dem Braimtorming beim Meeting verabredet sich für Sonntag zum Brunch. Touristen werden geguidet, Autos engi-neered. Im Netz wird downgeloadet und geposted.

2. Wir schlüpfen morgens easy in unseren Slip, T-Shirt oder unseren Body, breakfasten bei MC Donald" s, lunchen im nächsten Fast-Food, holen eine Moisture-Cream im Body-Shop, gehen zum Hair-Stylist, informieren uns am Service-Point, fahren mit unseren Kids im Inter-City, für den wir das Ticket am Service Point oder Counter erworben haben, zum Fußballspiel und sehen unser Team in den Away-Shirts ... und die Jüngeren finden das meist cool und die Älteren nicht o. k.!

Reflexion:Haben Sie für alle Anglizismen deutsche Entsprechungen gefunden? Wie haben Sie die hervorgehobenen Wörter übersetzt? Welche Tricks und Verfahren haben Sie dabei eingesetzt? Haben Ihnen Kenntnisse anderer Sprachen geholfen?

Gefährden Anglizismen die deutsche Sprache?

Lesen Sie verschiedene Meinungen und ordnen Sie diese den drei Rubriken zu.

Anglizismen sind gefahrlich

Anglizismen sind cool! - Abschnitt 1

Kein Grund zur Panik

1. Wir sollten uns freuen, dass es eine so leicht erlernbare, weltweit verbreitete und allgemein akzeptierte Sprache wie das Englische gibt. Sprache ist immer im Fluss. Wir reden heute ja auch nicht mehr wie die Minnesänger. Viele technische und wissenschaftliche Neuerungen werden heute mit englischen Namen in den USA geboren. Durch den Einfluss des Englischen wird das Deutsche nicht schlechter, sondern besser, knapper, ausdrucksstärker und präziser. Anstatt nach einer häufig längeren und umständlicheren deutschen Übersetzung zu suchen, übernimmt man die Bezeichnungen der fremden Sprache und erreicht so in Bezug auf das Bezeichnete Eindeutigkeit.

2. Wer nichts zu sagen hat, sagt es auf Englisch. Durch das Ausweichen aus der von allen verstandenen Muttersprache in eine den meisten nur halb verständliche Fremdsprache sind auch Nichtigkeiten noch als gehaltvolle Gedanken auszugeben, kann man so schön den Mangel an eigenen Gedanken übertünchen (замазывать), der bei dem Zwang, sich klar und deutlich in der Muttersprache auszudrücken, so offenbar zutage träte. Auch das ewige menschliche Streben, mehr zu scheinen als zu sein und unangenehme Dinge nicht beim Namen zu nennen, befördert natürlich das Ausweichen aus der Muttersprache.

3. Viele Deutsche flüchten nicht eigentlich aus unserer Sprache, sie flüchten aus ihrer nationalen Haut als Deutsche. Lieber ein halber Ami als ein ganzer Nazi, man möchte endlich, und sei es auch nur leihweise, zu denen gehören, die in Hollywoodfilmen immer gewinnen, zu den Edlen, Guten und Geliebten dieser Erde. Die Pidgin-Sprache, in der viele Deutsche heute reden, ist eine Art selbstgefertigter Kosmopoliten-Ausweis, den seine Besitzer in der Absicht schwenken, dass man sie nicht für Deutsche halten möge. Und solange wir mit unserer Identität als Deutsche nicht ins Reine kommen, wird auch die deutsche Sprache von ihren aktuellen Leiden nicht genesen. (Prof. Dr. Walter Krämer lehrt Wirtschafts- und Sozialstatistik an der Universität Dortmund.)

4. Es gehört zu den normalen Vorgängen, dass natürliche Sprachen im Laufe ihrer Entwicklung Einflüsse von anderen (oft benachbarten) Sprachen aufnehmen und natürlich auch selbst wiederum Einflüsse auf andere Sprachen haben. So war auch das Deutsche nie frei von Außeneinflüssen, sondern hat in seiner Geschichte bestimmte Wörter aus anderen Sprachen - vor allem aus dem Lateinischen, dem Griechischen, dem Französischen und dem Englischen - übernommen, sich einverleibt und (in der Regel) auch gut „verdaut". Viele dieser Entlehnungswellen waren begleitet von warnenden Stimmen, die jeweils die Gefahr einer „Überfremdung" der eigenen Sprache beschworen, ja häufig die kulturelle oder nationale „Identität" gefährdet sahen.

5. Die dynamische Entwicklung von Wissenschaft und Technik in den USA und die damit zusammenhängende Spitzenstellung der englischen Sprache in der internationalen Kommunikation trugen zur Verstärkung des englischsprachigen Einflusses auch auf das Deutsche bei. In Bezug auf den Wortschatz kann man sagen, dass aus Gründen der Bezeichnungsangemessenheit mit den Gegenständen oder Sachverhalten aus der angloamerikanischen Sphäre in der Regel zugleich auch deren Bezeichnungen übernommen werden.

6. Also, nun aber endlich habe ich es satt. Ich ziehe jetzt mein Out-door-Outfit an und gehe zunächst zur Back-Factory, um das bestellte Gesäß abzuholen. Danach bewege ich mich im Modus Nordic Wor-king zum nächsten Public Viewing und informiere mich open air über die neuesten News. Jetzt brauche ich aus dem Sport-Center in der Scopping Mall noch einige Equipments. Danach worke ich wieder at home in meinen Wellness-Bereich, schlüpfe in mein Indoor-Outfit und widme mich dem Homeentertainment. Alle denglisch gekauderwelschten (засоряющие язык) Begriffe klingen doch viel interessanter, informativer, kompetenter. Gell? (Peter Schutt)

7. Weder Verdammung und Bekämpfung jedweden englischen Spracheinflusses noch kritikloses Öffnen aller möglichen Einfallstore für solchen Einfluss sind gerechtfertigt. Eine realistische Position ist also zwischen „Alarmismus" und „Laisser-faire" zu suchen. Sie zu bestimmen, verlangt eine differenzierende Betrachtung. Ein Beispiel: Im Institut für Deutsche Sprache (IDS) vorgenommene Untersuchungen an Neologismen der Neunzigerjahre haben erbracht, dass von tausend als „kommunikativ relevant" ermittelten Neuwörtern rund 40 Prozent Anglizismen, 40 Prozent deutsche Bildungen und 20 Prozent Hybridbildungen aus einem englischen und einem deutschen Bestandteil (z. B. Eventkultur) sind.

8. Anders zu beurteilen ist die unkritische und kalkulierte Verwendung englischen Sprachmaterials, wenn sie Beweggründen wie Imponiersucht, Bildungsprotzerei, Wichtigtuerei entspringt oder Modernität, Weitläufigkeit suggerieren soll. Im Alltag begegnen uns Belege dafür auf Schritt und Tritt, vor allem in der Sprache der Werbung für Produkte oder für Dienstleistungen und in der Namengebung bei Geschäften, Restaurants usw. (Prof. Dieter Herberg, Leiter des Projektes Neologismen am Institut für Deutsche Sprache in Mannheim)

N. F. Borisko, S. 491

Äußern Sie Ihre Meinung!

Formulieren Sie Ihren Standpunkt zu den folgenden Problemen, gehen Sie dabei verschiedenen Aspekten der Sprachbeeinflussung nach. Diskutieren Sie im Kurs.

1.  Wie beurteilen Sie die beschriebenen Entwicklungstendenzen in der deutschen Sprache?

2.  Ist für Sie die Verwendung von Fremdwörtern und Anglizismen Zeichen eines kreativen Sprachgebrauchs oder sehen Sie darin vielmehr den Ausverkauf der deutschen Sprache?

3.  Werden Sie durch die Anglizismen im Deutschen gestört? Gebrauchen Sie selbst welche?

4. Wie sieht es mit Anglizismen in Ihrer Muttersprache aus? Übt das Englische auf Ukrainisch und Russisch auch einen Einfluss aus? Mit welchen Beispielen kann man diesen Einfluss belegen?

5.  Kann man englische Fremdwörter in einer Sprache verbieten (Beispiel: Sprachgesetz in Frankreich)?

6.  Wie kann man den Missbrauch von Fremdwörtern in einer Sprache bekämpfen? Braucht jedes Land ein Sprachgesetz?

7.  Was halten Sie von der Bewegung der Sprachpuristen in Russland oder in Deutschland (Bestrebung in der Sprachpflege um einen möglichst unverfälschten Wortschatz ohne Fremdwörter)?



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