Fremdsprachen erlernen

a) Was glauben Sie: in wie viel Jahren kann man eine Fremdsprache erlernen: Russisch, Polnisch, Serbisch, Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Japanisch?

b) Finden Sie Deutsch schwer oder leicht? Warum? Was be­reitet Ihnen besondere Schwierigkeiten? Kreuzen Sie an und ergänzen Sie. 

Aspekt

leicht

schwer

sehr schwer

Artikel und Genus

 

 

 

Deklination der Substantive

 

 

 

Deklination der Adjektive

 

 

 

Trennbare Verben

 

 

 

Zeitformen

 

 

 

Zusammensetzungen

 

 

 

Satzbau und Wortstellung

 

 

 

 

 

 

 

Mark Twain - Die schreckliche deutsche Sprache

c) Vergleichen Sie Ihre Probleme mit denen von Mark Twain, die er in seinem berühmten Aufsatz „Die schreckliche deutsche Sprache" beschrieben hat. Lesen Sie und bringen Sie die Punkte der Gliederung in eine richtige Reihenfolge.

( ) Mehr Regeln als Ausnahmen  

( ) Zusammensetzungen              

( ) 30 Jahre Deutsch!                  

( ) Schrecklicher Satzbau            

( ) Betonung                             

( ) Geschlecht                           

( ) Adjektivdeklination               

( ) Personalpronomen                 

( ) Trennbare Verben                  

( ) Vier verwirrende Fälle (Kasus)

(1) ... Wer nie Deutsch gelernt hat, macht sich keinen Begriff, wie verwirrend (запутана) diese Sprache ist. Es gibt ganz gewiss keine andere Sprache, die so unordentlich und systemlos daherkommt .... Aufs Hilfloseste wird man in ihr hin und her geschwemmt, und wenn man glaubt, man habe endlich eine Regel zu fassen bekommen, blättert man um und liest: "Der Lernende mer­ke sich die folgenden Ausnahmen." Man überfliegt die Liste und stellt fest, dass es mehr Ausnahmen als Beispiele für diese Regel gibt. ...

(2) Dies war und ist auch jetzt noch meine Erfahrung. ... Jedes Mal, wenn ich glaube, ich hätte ei­nen dieser vier verwirrenden Fälle endlich da, wo ich ihn beherrsche, schleicht sich (подкрадывается), mit furchtbarer und unvermuteter Macht ausgestattet, eine scheinbar unbedeutende Präposition in meinen Satz und zieht mir den Boden unter den Füßen weg ....

(3)  Es gibt zehn Wortarten, und alle zehn machen Ärger. Ein durch­schnittlicher Satz in einer deutschen Zeitung ist eine erhabene (благородная), eindrucksvolle Kuriosität; er nimmt ein Viertel einer Spalte (полосы, столбца) ein; er enthält sämtliche zehn Wortarten - nicht in ordentlicher Reihenfolge, sondern durcheinander; er besteht hauptsächlich aus zusammengesetzten Wörtern, die der Verfasser an Ort und Stelle gebildet hat, sodass sie in keinem Wörterbuch zu finden sind - sechs oder sieben Wörter zu einem zusammengepackt, und zwar ohne Gelenk (сочленение) und Naht (шов), das heißt: ohne Bindestriche (дефис); er behandelt vierzehn oder fünfzehn verschie­dene Themen, von denen jedes in seine eigene Parenthese (вводное предложение) eingeschlossen ist, und jeweils drei oder vier dieser Parenthesen werden hier und dort durch eine zusätzliche Parenthese abermals eingeschlossen, sodass Pferche innerhalb von Pfer­chen entstehen; schließlich werden alle diese Parenthesen und Über­parenthesen in einer Hauptparenthese zusammengefasst, die in der ersten Zeile des majestätischen (величественный) Satzes anfängt und in der Mitte seiner letzten Zeile aufhört - und danach kommt das Verb, und man erfährt zum ersten Mal, wovon die ganze Zeit die Rede war; und nach dem Verb hängt der Verfasser noch "haben sind gewesen gehabt haben geworden sein" oder etwas dergleichen an - rein zur Verzierung (украшение) - und das Monument ist fertig. ...

(4) Die Deutschen kennen noch eine weitere Form der Parenthese, die sie herstellen, indem sie ein Verb spalten (разделяют) und die eine Hälfte an den Anfang eines spannenden Kapitels setzen und die andere Hälfte an den Schluss. Kann man sich etwas Verwirrenderes vorstellen? Diese Dinger heißen "trennbare Verben". Die deutsche Grammatik ist geradezu übersät (густо усеяна) mit trennbaren Verben, und je weiter die beiden Teile auseinander gerissen werden, desto zufriedener ist der Urheber (виновник) des Verbrechens mit seiner Leistung. ...

(5) Personalpronomen und Adjektive sind eine ewige Plage (мука) in dieser Sprache, und man hätte sie besser weggelassen. Das Wort "sie" zum Beispiel bedeutet sowohl "you" als auch "she" als auch "her" als auch "it" als auch "they" als auch "them". Man stelle sich die bittere Ar­mut einer Sprache vor, in der ein einziges Wort die Arbeit von sechs tun muss - noch dazu ein so armes, kleines, schwaches Ding von nur drei Buchstaben. Vor allem aber stelle man sich die Verzweiflung vor, nie zu wissen, welche dieser Bedeutungen der Sprecher gerade meint. ...

(6) Nun zum Adjektiv. ... Wenn wir in unserer eigenen aufgeklärten Sprache von unserem "good friend" oder unseren "good friends" spre­chen wollen, bleiben wir bei der einen Form, und es gibt deswegen keinen Ärger und kein böses Blut. Im Deutschen jedoch ist das anders. Wenn einem Deutschen ein Adjektiv in die Finger fällt, dekliniert und dekliniert und dekliniert er es, bis aller gesunde Menschenverstand herausdekliniert ist. Es ist so schlimm wie im Lateinischen. ...

(7) Jedes Substantiv hat sein grammatisches Geschlecht, und die Ver­teilung ist ohne Sinn und Methode. Man muss daher bei jedem Sub­stantiv das Geschlecht eigens (специально) mitlernen. Eine andere Möglichkeit gibt es nicht. Um das fertig zu bringen, braucht man ein Gedächtnis wie ein Terminkalender. Im Deutschen hat ein Fräulein kein Geschlecht, eine Rübe (репа) dagegen schon. Welch eine über­mäßige (чрезмерное) Hochachtung vor der Rübe und welch eine kalt­herzige Missachtung des Mädchens verrät sich hier! ...

(8)... Dann gibt es da gewisse Wörter, die eins bedeuten, wenn man sie auf der ersten Silbe betont, aber etwas ganz anderes, wenn man den Ton auf die zweite oder letzte Silbe verschiebt. So kann man zum Beispiel mit einem Menschen umgehen oder aber ihn umgehen - je nachdem, wie man das Wort betont; und man darf sich darauf verlas­sen, dass man die Betonung in der Regel auf die falsche Silbe legt und Ärger bekommt.

(9) Manche deutschen Wörter sind so lang, dass man sie nur aus der Ferne ganz sehen kann. ... Man betrachte die folgenden Beispiele: ... "Generalstaatsverordnetenversammlungen",    "Stadtverordnetenver­sammlungen", "Waffenstillstandsunterhandlungen". Dies sind keine Wörter, es sind Umzüge (шествие) sämtlicher Buchstaben des Al­phabets. Und sie kommen nicht etwa selten vor. ...

(10) Also! Falls es mir nicht gelungen ist zu beweisen, dass das Deut­sche eine schwierige Sprache ist - versucht habe ich es jedenfalls. ... Aufgrund meiner philologischen Studien bin ich überzeugt, dass ein begabter Mensch Englisch (außer Schreibung und Aussprache) in dreißig Stunden, Französisch in dreißig Tagen und Deutsch in dreißig Jahren lernen kann. Es liegt daher auf der Hand, dass die letztgenannte Sprache zurechtgestutzt und repariert werden sollte. Falls sie so bleibt, wie sie ist, sollte sie sanft (нежно) und ehrerbietig (почтительно) zu den toten Sprachen gestellt werden, denn nur die Toten haben genü­gend Zeit, sie zu lernen.

d) Erläutern Sie jene Aspekte der deutschen Sprache, die Mark Twain am schrecklichsten zu sein schienen. Äußern Sie auch Ihre Meinung dazu.

Redemittel: kritisieren, negativ einschätzen.

Er kritisierte ...  / Er hasste ...  / Er beschwerte sich über ... / Er fand es sehr ärgerlich, dass ...  / Ein besonderes Ärgernis waren für ihn ... / Er konnte es einfach nicht fassen, wie ...  / In ... erkannte er keinen Sinn und kein System. / Den Sinn und das System von ... konnte er nicht nachvollziehen. / ... hielt er für eine Plage. / ... bezeichnete er als ... /... waren ihm ein besonderer Dorn im Auge.

Übersetzen Sie den 3. Absatz

Ich würde alles ändern!

Stimmen Sie dem großen amerikanischen Schriftsteller zu, dass Deutsch reformbedürftig ist? Machen Sie Ihre Verbesserungsvorschläge. Ergänzen Sie die Liste von Mark Twain.

Zunächst einmal würde ich den Dativ weglassen.

Sodann würde ich das Verb weiter nach vorne holen. ... Ich empfehle ... mit Nachdruck, diese wichtige Wortart an eine Stelle vorzuziehen, wo man sie leicht mit bloßem Auge sehen kann.

Viertens würde ich die Geschlechtszugehörigkeit neu regeln und die Verteilung gemäß dem Willen des Schöpfers vornehmen. Dies schon aus Respekt.

Fünftens würde ich diese großen, langen, zusammengesetzten Wörter abschaffen oder zumindest von dem Sprecher verlangen, sie abschnittweise vorzutragen mit Erfrischungspausen dazwischen.

Sechstens würde ich von dem Sprecher verlangen, dass er aufhört, wenn er fertig ist, und nicht noch eine Kette dieser nutzlosen „haben sind gewesen gehabt haben geworden sein" hinten an den Satz anhängt.

Siebtens würde ich die Parenthese abschaffen. Desgleichen die Überparenthese, die Oberüberparenthese, die Außenumoberüber-parenthese und schließlich auch die letzte, weitreichende, alles umfassende Hauptparenthese.



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